Der Apostroph in der deutschen RechtschreibungEin kleiner Strich oben zeigt an, dass etwas ausgelassen wurde14.04.2009 Ruth Lisa Knapp
Bücher zur Rechtschreibung - Ruth Lisa Knapp
Im Englischen wird der Apostroph für die Bildung des Genitivs bei Personen benutzt (Peter's car) und für Auslassungen (It's nice; she's got it). Im Deutschen steht er nur an Stelle ausgelassener Buchstaben oder Wortteile. Im Deutschen wird das Genitiv-s direkt angehängtDer englische Genitiv hat in die deutsche Sprache Einzug gehalten, nicht nur bei Personen (Gabi’s Frisierstube; Oma’s Apfelkuchen), sondern auch bei Sachen (Austausch des Motor’s) findet man ihn immer öfter. Das ist nicht korrekt, denn das Genitiv-s wird im Deutschen immer direkt an das Wort angehängt: Gabis Frisierstube; Omas Apfelkuchen, Austausch des Motors. Das Gleiche gilt auch für Abkürzungen: die Reifen des Lkws; am Anfang des 19. Jh.s. Ausnahmen für den Apostroph beim GenitivEine Ausnahme bilden nur die Namen, die auf s, ß, z, tz und x enden und keinen Artikel bei sich haben: Grass’ Romane; Ringelnatz’ Gedichte; Marx’ Kapital. Hier zeigt man den Genitiv durch Anfügen des Apostrophzeichens an das Wort an und lässt das Genitiv-s weg. Stummes -e am Ende fremdsprachlicher Namen wird nicht beachtet, maßgebend ist die Aussprache, also: Anatole France’ Werk. Besser klingt: die Romane von Günter Grass, das Werk von Anatole France. Der Dativ ist sowieso dabei, den Genitiv zu verdrängen, vor allem in der Umgangssprache. Beim Plural-s kein ApostrophEine offenbar irrtümlich dem Englischen nachempfundene Verwendung findet der Apostroph heute manchmal beim Plural (Mehrzahlbildung) auf -s, obwohl es im Englischen gar keinen Plural mit ’s gibt. Zwei Mofa’s; leckere Pizza’s; neue PC’s ist schlicht die falsche Schreibweise. Der Apostroph wird für Auslassungen benötigtWird am Anfang eines Worts etwas weggelassen, ersetzt man dies durch den Apostroph: Er hat ’ne (eine) Menge gesehen; wer’s (wer es/das) glaubt; Hol’s (Hol das) Auto. Am Satzanfang beginnt man dann mit Kleinbuchstaben: ’s (Es) war schön. Das verkürzte Wort „es“ darf mit dem vorangehenden Wort zusammengeschrieben werden, wenn sich dadurch keine Missverständnisse ergeben: Ihm geht’s / gehts gut; Nimm’s / Nimms nicht so schwer. Wird die Silbe her- in herunter, herein, heraus usw. zu r verkürzt, schreibt man dies heute als Kurzform zusammen: Komm runter; wir wollen reingehen; du musst dich da raushalten. Allgemein übliche Verschmelzungen von Präposition und Artikel werden ohne Apostroph zusammengeschrieben: ins (in das) Bett; vors (vor das) Haus; durchs (durch das) Zimmer; fürs (für das) Kind. Am Wortende steht nur ein Apostroph, wenn eine obligatorische Endung weggefallen ist. Das findet man meist in der Dichtung, damit Metrum oder Reim stimmen: Das Wasser rauscht’, das Wasser schwoll. Wird ein entbehrliches -e weggelassen, folgt kein Apostroph: Bring (bringe) es her; ich find (finde) es nicht. Der Apostroph im Inneren eines Worts bei EigennamenEr dient der Verdeutlichung bei Eigennamen, die mit dem Suffix -sche kombiniert werden: Die Mozart’schen Opern; die Grimm’schen Märchen; die Hannover’sche Industrie. Alternativ kann man die Namen aber auch direkt mit der Endung -sche verbinden, muss sie dann allerdings wie Adjektive klein schreiben: die mozartschen Opern; die grimmschen Märchen; die hannoversche Industrie. Werden größere Buchstabengruppen in bekannten Namen weggelassen, steht an ihrer Stelle der Apostroph: M’gladbach = Mönchengradbach; Ku’damm = Kürfürstendamm. Weitere Regeln, Beispiele und Sonderfälle finden sich im Duden Band 9 – Richtiges und gutes Deutsch, Mannheim 2007, auf den Seiten 88-94. Urheberrecht: Ruth Lisa Knapp. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.
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